Eva Wagner-Pasquier sprich mit IMPULSE

Die Präsidentin der Richard Wagner Association (Singapore), Juliana Lim, hat es mit den Co-Produzenten OperaViva Limited und „The Finger Players“ geschafft, großes Interesse in Singapur an der Geschichte des Holländers zu wecken. Die entstandene Wagner- Euphorie überzeugte Eva Wagner-Pasquier, der Premiere im Victoria-Theatre beizuwohnen.

Impulse: „Frau Wagner-Pasquier, was haben Sie denn gedacht, als Sie vom Plan der Aufführung hörten?“

Eva Wagner-P.: „Juliana Lim hat mir vor zwei Jahren in Dessau davon erzählt und ich fand die Idee bewundernswert und aufregend. Das Konzept ist ausgezeichnet und ich freue mich, dass ich dabei sein konnte, denn etwas Ungewöhnliches ist ja meist spannender, als der normale Ablauf von Dingen.“

Impulse: „Für die Inszenierung wurden asiatische Schattenspiele einbezogen. Hat es Ihnen gefallen?“
E. Wagner-P.: „Schon vor vielen Jahren war ich in Indonesien und habe mich dort mit dem Schattentheater vertraut gemacht. Auch von Julie Taymor und Robert Wilson werden diese Elemente ab und zu eingesetzt. Die Umsetzung durch das ganze Team hat mich mehr als erfreut. Es hat nicht gestört, sondern war eine ästhetische Bereicherung.“

Impulse: „Was macht den Unterschied zwischen internationalen und singapurischen Ensembles aus?“
E. Wagner-P.: „Was die Nationalität betrifft, kennt Musik keine Grenzen. Aber ich muss sagen, dass es ein gewaltiges Vorhaben der Veranstalter war, ein Team zu schaffen, welches zwei Besetzungen akzeptiert. Das kommt in der Praxis nicht häufig vor.“

Impulse: „Kann das Victoria Theatre mit dem Festspielhaus in Bayreuth verglichen werden?“
E. Wagner-P.: „Das klingt vielleicht etwas überheblich, aber für mich ist kein Haus vergleichbar mit dem Festspielhaus. Die Akustik in Bayreuth ist einmalig, das ist ja nun weltweit bekannt. Jeder Ihrer Leser, der schon einmal dort war, wird mir zustimmen. Aber mich hat das Victoria Theatre nicht nur von außen, sondern auch von innen sehr angesprochen.“

 

Impulse: „Hatten Sie auch die Möglichkeit, mehr von Singapur zu sehen?“
E. Wagner-P.: „Leider war nur Zeit für einen Besuch im herrlichen Orchideengarten. Ich kann nur sagen, dass ich alles als angenehm und freundlich empfunden habe.“

Impulse: „Sie haben in verschiedenen Ländern gearbeitet. Was hat Ihnen geholfen, sich an fremden Orten einzuleben?“
E. Wagner-P.: „Man ist ja nicht nur fremdbestimmt, sondern entscheidet selbst, ob man in ein anderes Land geht oder nicht. Ich habe in London und Paris gearbeitet. Wenn die Familie dabei ist, dann geht alles. So ist es sicher auch für viele Menschen in Singapur.“

Impulse: „Sind die Wagnerianer im Ausland neugieriger auf Sie und Ihre Familiengeschichte als die deutschen Anhänger?“
E. Wagner-P.: „Im Ausland ist man ab und zu noch exotisch als Nachkomme von Richard Wagner. In Deutschland dagegen bin ich einfach ein Bestandteil der Gesellschaft.“

Impulse: „Wie wird die deutsche Kultur im asiatischen Ausland angesehen?“
E. Wagner-P.: „Im Allgemeinen, jetzt nicht nur auf Wagner gemünzt, ist die deutsche Kultur in Asien etabliert und wird sehr geschätzt. Schauen Sie nur auf die Konzerte der großen europäischen Orchester, die auf Einladung im asiatischen Raum regelmäßig stattfinden.“

Impulse: „Wären Inszenierungen wie ,Der fliegende Holländer’ ohne Sponsoren möglich?“
E. Wagner-P.: „Eine Produktion in Singapur ist ohne Sponsoren ein Ding der Unmöglichkeit. Das System ist ein anderes und es muss sicher noch lernen, dass das Genre Oper mehr unterstützt werden muss. Genauso wie alles, was für uns Kultur bedeutet. Das bezieht sich nicht nur auf Opern und Konzerte, sondern auf viel mehr. Deswegen ist die Initiative und die Realisierung dieser Produktion sicher ein Meilenstein in der Geschich- te Singapurs.“

Interview: Frauke Jaensch Fotos: Alfred Reichert, Pixabay

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